9. Juni 2013

Wie man dem Kunden auf seinen Thron hilft

Der Kunde ist König. Das erzählt man sich vom Zimmermädchen über den Schuhmacher bis hin in die obersten Chefetagen der größten Konzerne.
...und weil das hier ein Blog ist, muss doch nun ein ABER kommen oder?

Ein ABER habe ich dafür überhaupt nicht, nichtmal ein klitzekleines. Nur einen wichtigen Hinweis: 

Wer seinem Kunden berechtigterweise auf den Thron helfen möchte, muss sich eine Definition für Kunde zurechtlegen, die sich in einem gewissen menschlichen Rahmen bewegt. 
Für mich wäre das jemand, der meine Dienstleistung in Anspruch genommen hat, sich an die zuvor besprochenen und natürlich erst recht die vertraglich festgelegten Bedingungen hält und ein grundsätzliches Maß an Respekt vor dem Dienstleister mitbringt. 

Wenn ihr all das abhaken könnt, dann rollt den roten Teppich aus!

Der Kunde sollte gerade beim Fotografieren alle Unterstützung bekommen, die man geben kann, denn besonders Kameraneulinge fühlen sich oftmals völlig verunsichert. In ihrem Kopf stelle ich es mir immer in etwa so vor:

"Oh Gott, ich hatte die Augen zu." "Seh ich fett aus?" "Was hat der Fotograf nochmal über die Kopfhaltung gesagt?" "Er hat gesagt, das sieht gut aus. Ich glaube ja nicht!" "Diese Haltung tut so weh, ich kann sie kaum halten, darf ich das sagen?" "Mir ist so kalt!" "Hoffentlich ist wenigstens ein gutes Bild dabei!"

All das sieht man im Gesicht. 
...und warum?
...weil der Fotograf nur an das Bild denkt und nicht an den Kunden. 

Man muss sich bewusst machen, dass man von JEMANDEM für ETWAS bezahlt wird. Priorität Nr. 1 ist somit der jemand, egal wie gut das Bild aussehen könnte wenn der Kunde sich genau so hinstellt, wie der Fotograf sich das gedacht hat.

Hier kommt also eine kleine Anleitung dafür, wie man dem Kunden auf den Thron helfen kann:

I Komfort


Wenn euch der Schweiß an allen möglichen und unmöglichen Körperteilen herunterläuft, oder trotz dickem Pullover alle Haare vor Kälte steil nach oben stehen, dann wird es eurem Kunden vermutlich noch schlechter gehen. Da ihr bei der Sache Geld verdient, fällt euch das Übel für gewöhnlich leichter. Andersrum gesehen: Würdet ihr Geld dafür ausgeben euch unwohl zu fühlen?

Abhilfe:
1) Ein Reflektor ist ein guter Sonnenschutz für zwischendurch.
2) Eine Decke und warmes Paar Socken halten euch den Kunden bei jedem Wintershooting am Leben.
3)  Eine kleine Flasche Wasser für den Kunden sollte an warmen Tagen mit im Budget sein. Durst ist schwer zu unterdrücken und das wird man im Gesicht auch sehen.
4) Fetthaltige Creme (am besten Vaseline oder Kaufmanns Creme) schafft Abhilfe gegen schmerzende Näschen in klimatisierten Studios und ist generell das Allheilmittel gegen trockene oder gerissene Hautstellen.

II Posing


Menschen tun sich schwer damit zuzugeben, dass sie nicht wissen was sie tun oder tun sollen. Jemand der "einfach nette Bilder von sich" haben möchte, vergisst oft bis es tatsächlich so weit ist, dass er sich gar keine Gedanken darüber gemacht hat, wie er sich bewegen möchte (Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel...) 
Vermeidet diese Peinlichkeit für den andern, indem ihr beim Posing helft und aktiv Vorschläge macht.

Abhilfe:
1) Macht die Pose selbst vor.
2) Zuhören. Wenn der Kunde eine Pose nicht möchte, dann vergesst sie. Sofort.
3) Sammelt Zeitschriften oder Bilder aus dem Internet. Oft ist es für euren Kunden einfacher etwas zu sehen und dann zu sagen "so möchte ich es machen".
4) Nutzt Musik mit deutlichem Takt und verabredet einen Posing- oder Gesichtsausdruckwechsel für jeden 4. Takt (oder was auch immer zum Lied passt), so fühlt sich der Kunde sicher, da er eine "Richtlinie" erhält. 

Wir nutzen zum Beispiel gern:

III Unsicherheiten


Wenn man das erste Mal vor einer Kamera steht, besonders dann, wenn es in einer nicht alltäglichen Situation ist, dann kriecht die Unsicherheit schleichend bis in den Gesichtsausdruck hinauf. 

Abhilfe:
1) Seid immer direkt dabei. In unserem Fall sind wir immer zu zweit, wobei ich mich um die Belange der Kunden kümmere und versuche Ihnen ständig das Gefühl zu geben, dass Hilfe direkt daneben steht.
2) Tretet souverän auf. Nichts verstärkt Unsicherheit schlimmer, als wenn derjenige, den man bezahlt keine aktiven Lösungen für die Probleme findet und selbst unsicher ist.
3) Fragt nach ob der Kunde sich wohl fühlt oder Fragen hat. Gebt dem Kunden immer das Gefühl, dass    er das Recht hat Dinge am Shooting aktiv zu verändern.
4) Zeigt zwischendurch auf der Kamera bzw. dem mit der Kamera verbundenen Laptop die Bilder. Es ist für alle Nicht-Models da draußen schwer einzuschätzen, wie sie aussehen.
5) Gebt permanentes Feedback. Wenn etwas gut aussieht, macht nicht einfach stumm Bilder davon, lobt und ermuntert, damit euer Kunde weiß, dass er aktiv an einem guten Ergebnis mitwirkt.
6) Musik beim Shooting ersetzt für viele Menschen die lauten Gedanken im Kopf und wirkt entspannend und lockernd.


IV Das Allheilmittel

Macht eine Vorbesprechung und formuliert (am Besten auch schriftlich) wichtige Hinweise zum Shooting wie z.B:

1) Stellt euch klar als Dienstleister dar. Der Kunde hat das Recht Hilfe zu erhalten und Fragen zu stellen.
2) Fragen. Fragen beantworten. Fragen stellen. Fragen ob es Fragen gibt. Fragen, Fragen, Fragen....
3) Hinweise zum Vertrag. 
4) Zeigt an dieser Stelle eure Zeichnungen, Zeitschriften, Bilder etc. oder beschreibt die Ideen in eurem Kopf. Denkt immer daran, dass das Gegenüber sich nicht so gut in eure Gedanken hineinversetzen kann, wie ihr vielleicht glaubt.










Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Alle Kommentare werden moderiert. Es kann ein bisschen dauern, bis dein Kommentar angezeigt oder beantwortet wird. Vielen Dank für dein Verständnis. <3

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...